Die Feiertage sind vorbei. Der Baum ist abgeschmückt, der Alltag kehrt langsam zurück – nur Dein Hund scheint das Memo nicht bekommen zu haben. Er ist unruhig, reagiert schneller, kommt schlecht zur Ruhe, bellt mehr als sonst oder wirkt irgendwie „neben der Spur“. Wenn Du Dich gerade fragst, was da los: Reizüberflutung beim Hund. Oder wie ich auch gerne zu sagen pflege: Nach müde kommt blöd ;-) Deswegen möchten wir Dir in diesem Beitrag erklären, warum viele Hunde während und nach der Feiertage aus dem Gleichgewicht geraten und wie Du Deinem Hund hilfst, seine „innere Mitte“ zurückzufinden.
Reizüberflutung beim Hund: Warum viele Hunde nach den Feiertagen aus dem Gleichgewicht geraten
Inhaltsverzeichnis
Besinnliche Weihnachten? Von wegen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, ist da oft gar nicht so viel besinnliches und das meine ich nicht negativ. Aber Besuch kommt, Besuch geht, wir besuchen andere. Es liegen Emotionen in der Luft. Und meist weichen auch die alltäglichen Routinen ab. Allein das kann schon zur Reizüberflutung beim Hund führen. Lass uns das also noch mal zusammenfassen:
- mehr Menschen im Haushalt
- Besuch, Stimmen, Gerüche
- ungewohnte Tagesabläufe
- weniger Ruhezeiten
- längere Wachphasen
- Böllerei an Silvester
Spaziergänge zu anderen Zeiten, Futter später oder früher, weniger Regeln – was für uns Ausnahme ist, fühlt sich für Hunde schnell nach Chaos an. Und das meist in einer kurzen Zeit. Hunde können diese Reize nicht einfach „wegstecken“. Sie speichern sie im Nervensystem.
👉 Hunde lieben Vorhersehbarkeit.
👉 Feiertage sind das Gegenteil davon.
Außerdem haben Hunde ein feines Gespür für emotionale Anspannung. Sie sind extrem feinfühlig. Stress, Hektik, Emotionen oder Zeitdruck übertragen sich – selbst dann, wenn Du glaubst, „alles im Griff“ zu haben.
Und nun mal ganz ehrlich und offen: Das ist normal. Und so lange sich diese Veränderung nur auf einen überschaubaren Zeitrahmen beschränkt, ist es auch nicht wild. Denn Du kannst danach gegensteuern. Wie Du das machst, verraten wir Dir in diesem Beitrag.
Reizüberflutung beim Hund – typische Anzeichen: Ist Dein Hund „drüber“?
Aber woran erkenne ich eigentlich, dass mein Hund reizüberflutet ist – und das nicht nur nach den Feiertagen? Nicht jeder Hund zeigt Stress gleich. Häufige Signale für eine Reizüberflutung beim Hund sind:
- Dein Hund kommt schlecht zur Ruhe
- er wirkt nervös oder rastlos
- verstärktes Bellen oder Winseln
- erhöhte Reaktivität, zum Beispiel an der Leine
- schlechtere Frustrationstoleranz
- „vergessenes“ Training
- ständiges Hinterherlaufen
- schlechte Impulskontrolle
💡 Wichtig: Das ist nicht immer unbedingt ein „richtiger“ Rückschritt, sondern ein Signal, dass Dein Hund gerade Unterstützung braucht.
Warum Druck jetzt der falsche Weg ist
Viele Hundehalter:innen reagieren dann mit:
- „Jetzt muss wieder alles funktionieren“
- mehr Training
- strengeren Regeln
- weniger Geduld
Das Problem:
👉 Ein überreiztes Nervensystem kann nichts lernen. Was Dein Hund jetzt braucht, ist Regulation, nicht Korrektur. Und Druck ist sowieso nie eine adäquate Trainingsmethode.
Der sanfte Neustart: So hilfst Du Deinem Hund jetzt wirklich
Aber wie kann ich meinem Hund nun sinnvoll helfen? Wir verraten es Dir!
Erwartungen runterfahren
Dein Hund muss nicht von 0 auf 100:
- perfekt hören
- entspannt an jedem Hund vorbeigehen
- sofort wieder „wie vorher“ sein
Er darf sich neu sortieren – genau wie Du.
Zurück zu klaren, einfachen Routinen
Routinen geben Sicherheit. Besonders wichtig sind:
- gleichbleibende Spaziergehzeiten
- klare Ruhephasen
- vorhersehbare Abläufe
- ggf. halbwegs einheitliche Fütterungszeiten
💡 Lieber langweilig als überfordernd. Und Langeweile kann für einige Vierbeiner schon eine große Herausforderung sein, gerade wenn eine Reizüberflutung beim Hund über die Feiertage stattgefunden hat.
Reizüberflutung beim Hund – wie gestalte ich Spaziergänge: Weniger ist oft mehr
Damit Dein Hund sich runterfahren kann, können Dir folgende Punkte helfen:
- Qualität vor Quantität
- bekannte Wege statt neuer Reize
- langsames Tempo
- bewusstes Schnüffeln

Ein ruhiger Spaziergang reguliert mehr als jede Trainingseinheit. Deswegen kann es auch hilfreich sein, Spaziergänge bewusst an der Leine zu machen. Damit Du aber nicht dauerhaft in die Gefahr läufst, an der Leinenführigkeit trainieren zu müssen, leine Deinen Hund am Geschirr an. Untersützend kannst Du einen Ruckdämpfer nutzen.
Ruhe wieder „lernen“
Viele Hunde haben nach den Feiertagen verlernt, runterzufahren. Gerade wenn Du aber schon früher mit Deinem Hund Ruhe trainiert hast, kommst Du recht schnell wieder in den Alltag rein – sei also nicht besorgt.
Hilfreich dabei sind:
- feste Liegeplätze und zum Beispiel eine Auffrischung des Deckentrainings
- ruhige Rituale (Kauen, leise Musik, ggf. braunes Rauschen)
- gemeinsame Pausen
👉 Ruhe ist kein Zufall – sie ist trainierbar.
Reizüberflutung beim Hund: Mentale Auslastung – aber richtig
Du kannst auch viel über eine sinnvolle Beschäftigung Deines Hundes steuern. Auch hier gilt gerade nach stressigen Tagen: Weniger ist mehr. Außerdem solltest Du auf die Art der Beschäftigung achten, denn nicht jede Beschäftigung entspannt, weil Dein Hund danach „müde“ ist.
Sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten sind:
- Schnüffelspiele
- einfache Suchaufgaben
- ruhiges Kauen
- Nasenarbeit
Weniger hilfreich sind alle Arten, bei denen Dein Hund hochgepusht wird. Was das ist, ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Wir möchten an dieser Stelle das typische Bälle werfen erwähnen und alles, was „den Blutdruck hochschiebt“.
Warum hören Hunde schlechter, wenn sie reizüberflutet sind?
Kennst Du das? Ein paar Tage Reizüberflutung beim Hund und er hört gefühlt gar nicht mehr? Denke immer daran: Dein Hund macht das nicht, weil er Dich ärgern möchte. Stress blockiert das Gehirn. Es ist also kein Trotz, sondern pure Biologie.
Je mehr Ruhe einkehrt, desto schneller kommt auch die Kooperation zurück. Habe also Geduld und achte auf ausreichend Ruhezeiten.
Positiven Zeichen bei ausreichend Ruhe können sein:
- Dein Hund legt sich häufiger hin
- er seufzt
- Bewegungen werden langsamer
- Blickkontakt wird weicher
Das sind echte Fortschritte – auch wenn sie unscheinbar wirken.

Was Du jetzt lieber vermeiden solltest, weil es „sowieso nichts bringt“
- Trainingspläne „durchziehen“
- hohe Erwartungen
- Vergleiche mit „vorher“
- ständiges Korrigieren
- Ungeduld mit Rückschritten
Und noch ein wichtiger Tipp: Lass Dich nicht von anderen verunsichern. Du bist mit Deinem Hund ein Team und niemand anders hat das zu bewerten.
✔ Stattdessen solltest Du nun lieber:
- begleiten
- beobachten
- regulieren
- Sicherheit geben
Reizüberflutung beim Hund Wie lange dauert diese Phase?
Das ist individuell. Viele Hunde brauchen:
- 1–2 Wochen
- sensible Hunde auch länger
Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern Deine Haltung. Je weniger Druck Du aufbaust, desto schneller findet Dein Hund zurück in die Balance.
Warum der Januar auch eine Chance ist
So paradox es klingt: Diese Phase kann eure Beziehung vertiefen.
Du lernst:
- Stresssignale besser zu lesen
- Deinen Hund wirklich zu verstehen
- Alltag bewusster zu gestalten
Und Dein Hund lernt:
- dass Du ihn ernst nimmst
- dass Sicherheit wichtiger ist als Leistung
Und denke bitte immer daran: Dauerhafter Stress kann krank machen. Deswegen ist es wichtig, dass Du die Situation sachlich bewertest und reagiert.
Fazit: Dein Hund ist nicht schwierig – er ist überfordert
Wenn Dein Hund nach den Feiertagen „drüber“ wirkt, zeigt er Dir kein Fehlverhalten, sondern ein Bedürfnis.
Mit:
- klaren Routinen
- weniger Reizen
- mehr Ruhe
- und viel Verständnis
hilfst Du ihm, wieder anzukommen – im Alltag, im neuen Jahr und bei sich selbst. Und genau das ist es, worum auch bei uns geht: Ein Hundeleben, das nicht perfekt sein muss – sondern fair, sicher und entspannt. 🐾💛
Im Übrigen gilt das nicht nur nach stressigen Feiertagen. Du solltest grundsätzlich ein Gefühl dafür entwickeln, wann Dein Hund etwas mehr Ruhe benötigt. Nicht jeder Hund fordert diese Ruhe von sich aus ein.
Hast Du Fragen zu diesem Thema oder eigene Erfahrungen? Dann freuen wir uns über ein Kommentar von Dir. Wir werden Dir schnellstmöglich antworten.
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