Hund im Regen: Muss der Spaziergang bei schlechtem Wetter wirklich sein?

Hund im Regen

Regen prasselt gegen die Scheibe, der Himmel trägt sein schönstes Einheitsgrau und draußen wartet eine Mischung aus Pfützen, Matsch und nassem Gras. Du greifst trotzdem pflichtbewusst zur Leine, während dein Hund einen Blick zur Haustür wirft, der ziemlich eindeutig sagt: „Das kann unmöglich dein Ernst sein.“ Während manche Hunde im Regen erst richtig aufdrehen und jede Pfütze persönlich begrüßen müssen, würden andere am liebsten nach dem ersten Regentropfen wieder umdrehen. Doch wie gehst Du damit um, wenn Dein Hund bei Regen nicht spazieren gehen möchte? Muss ein Hund jeden Tag eine bestimmte Zeit draußen verbringen? Und ist ein kurzer Spaziergang bei schlechtem Wetter automatisch zu wenig Bewegung? Die gute Nachricht: Ein erfülltes Hundeleben lässt sich nicht mit der Stoppuhr messen. Und manchmal darf eine Gassirunde tatsächlich einfach kürzer ausfallen.

Warum manche Hunde im Regen überhaupt nicht gerne rausgehen

Dass ein Hund nicht gerne im Regen spazieren geht, hat nicht zwangsläufig etwas mit Bequemlichkeit zu tun. Hunde nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir und auch zwischen einzelnen Hunden gibt es große Unterschiede. Besonders Hunde mit kurzem Fell, wenig Unterwolle oder wenig Körperfett können bei nasskaltem Wetter schneller frieren. Wird das Fell erst einmal richtig nass, verliert es einen Teil seiner isolierenden Wirkung. Wind kann diesen Effekt zusätzlich verstärken.

Andere Hunde stören sich weniger an der Temperatur als am Gefühl von Wasser auf Fell und Haut. Regentropfen auf dem Kopf, nasse Pfoten oder Wasser, das am Körper herunterläuft, können schlicht unangenehm sein. Auch Erfahrungen spielen eine Rolle. Vielleicht verbindet Dein Hund Regen mit unangenehmen Situationen oder findet bestimmte Begleiterscheinungen des Wetters gruselig. Wind, flatternde Gegenstände, das Rauschen der Bäume und eine veränderte Geräuschkulisse können einen Spaziergang plötzlich ganz anders wirken lassen.

Wenn Dein Hund also an der Haustür die Bremse einlegt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, statt vorschnell „Der hat einfach keine Lust“ zu denken.

Muss mein Hund im Regen spazieren gehen?

Grundsätzlich braucht ein Hund natürlich auch an Regentagen die Möglichkeit, sich zu lösen, sich zu bewegen und seine Umwelt zu erkunden. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Gassirunde unabhängig von Wetter, Tagesform und Hund exakt gleich lang sein muss. Ein gesunder Hund nimmt keinen Schaden, wenn ein Spaziergang gelegentlich kürzer ausfällt. Vor allem dann nicht, wenn Du ihm anschließend andere Möglichkeiten zur Beschäftigung anbietest.

Statt Deinen Hund bei strömendem Regen eine Stunde durch die Gegend zu ziehen, obwohl er offensichtlich keinen Spaß daran hat, können beispielsweise mehrere kürzere Runden sinnvoller sein.

Und Hand aufs Herz: Auch wir Menschen haben Tage, an denen die Aussicht auf Sofa und warme Socken deutlich überzeugender klingt als eine ausgedehnte Wanderung durch horizontalen Regen. Deinem Hund darf es ähnlich gehen.

Wie viel Spaziergang braucht ein Hund wirklich?

Eine pauschale Antwort wie „Ein Hund muss mindestens zwei Stunden am Tag spazieren gehen“ klingt praktisch, wird der Realität aber nicht gerecht.

Wie viel Bewegung ein Hund benötigt, hängt unter anderem von Alter, Gesundheitszustand, Rasse beziehungsweise Hundetyp, körperlicher Fitness, Temperament und seinem sonstigen Alltag ab.

Ein junger, bewegungsfreudiger Hund kann andere Bedürfnisse haben als ein Senior. Ein Hund, der regelmäßig körperlich arbeitet oder sportlich geführt wird, bringt andere Voraussetzungen mit als ein gemütlicher Begleithund. Und ein Hund mit gesundheitlichen Einschränkungen benötigt möglicherweise bewusst kürzere oder anders gestaltete Spaziergänge.

Hund im Regen
Wie viel Bewegung ein Hund braucht – egal, ob es gerade regnet oder nicht – ist individuell von Deinem Hund abhängig. Statistisch gesehen lassen sich Bedürfnisse vielleicht pauschalisieren, aber dennoch solltest Du immer das individuelle Bedürfnis Deines Hundes im Auge behalten.

Entscheidend ist außerdem nicht nur, wie lange Dein Hund unterwegs ist, sondern was während dieser Zeit passiert.

Zwanzig Minuten entspanntes Erkunden, Schnüffeln und Beobachten können für einen Hund wertvoller sein als eine Stunde strammes Kilometer-Abspulen. Ein Spaziergang ist schließlich kein Schrittzähler-Wettbewerb.

Schnüffeln ist beispielsweise ein wichtiger Bestandteil des Erkundungsverhaltens. Dein Hund sammelt dabei unzählige Informationen über seine Umgebung. Wer war hier? Wie lange ist das her? Ist irgendwo ein anderer Hund unterwegs gewesen? Was hat sich seit gestern verändert?

Während Du eine nasse Hecke siehst, liest Dein Hund darin möglicherweise die komplette Lokalzeitung.

Qualität statt Kilometer: Spaziergänge dürfen unterschiedlich aussehen

Ein häufiger Gedanke unter Hundehaltern lautet: „Wir waren heute erst eine Stunde draußen, der Hund muss bestimmt noch mehr Bewegung bekommen.“ Das muss keineswegs stimmen.

Neben der körperlichen Bewegung spielt auch die mentale Auslastung eine wichtige Rolle. Ein Spaziergang durch eine abwechslungsreiche Umgebung, bei dem Dein Hund viel schnüffeln und entdecken darf, stellt andere Anforderungen als das immer gleiche schnelle Laufen um den Block.

Genauso wichtig sind Ruhephasen. Hunde benötigen viel Schlaf und Erholung. Ein Hund, der ständig beschäftigt und ausgelastet werden soll, muss nicht zwangsläufig zufriedener sein. Im Gegenteil: Manche Hunde müssen sogar erst lernen, dass nicht jede freie Minute Programm bedeutet.

Deshalb darfst Du Spaziergänge an Deinen Hund und die jeweilige Situation anpassen. Heute gibt es vielleicht eine lange Runde durch den Wald. Morgen schüttet es wie aus Eimern und Ihr beschränkt Euch auf kleinere Runden. Übermorgen scheint wieder die Sonne und Ihr seid länger unterwegs.

Der Durchschnitt zählt mehr als der einzelne Regentag.

Was kannst Du tun, wenn Dein Hund im Regen nicht raus möchte?

Zunächst solltest Du herausfinden, warum Dein Hund Regen unangenehm findet. Friert er? Stört ihn die Nässe? Ist er bei Wind unsicher? Oder findet er schlicht das Wetter wenig überzeugend?

Dann kannst Du die Spaziergänge entsprechend anpassen:

  • Wähle bei starkem Regen lieber mehrere kürzere Runden und nutze möglichst geschützte Wege. Ein gut sitzender Regenmantel kann besonders für Hunde sinnvoll sein, die schnell frieren oder Nässe unangenehm finden.
  • Lass Deinen Hund auch auf kurzen Runden schnüffeln und erkunden. Aus zehn abwechslungsreichen Minuten müssen keine zehn hektischen Minuten werden, nur weil Ihr schnell wieder ins Trockene möchtet.
  • Sorge zu Hause für kleine Beschäftigungsmöglichkeiten. Futtersuche, Nasenarbeit oder kurze Trainingseinheiten können einen verregneten Tag ergänzen, ohne dass daraus ein Indoor-Bespaßungsmarathon werden muss.

Wichtig ist dabei, den Hund nicht dafür zu belohnen, sich grundsätzlich jeder notwendigen Gassirunde zu entziehen. Sich lösen zu können gehört selbstverständlich auch bei Regen dazu. Zwischen „Wir gehen gar nicht mehr raus“ und „Du musst jetzt trotz Starkregen zwei Stunden wandern“ liegt allerdings eine ziemlich große und vernünftige Grauzone.

Die richtige Ausrüstung macht Regen deutlich angenehmer

Wer regelmäßig mit Hund unterwegs ist, weiß: Es gibt eigentlich kein schlechtes Wetter. Es gibt nur Wetter, bei dem man nach fünf Minuten darüber nachdenkt, warum man keine wasserdichte Hose angezogen hat.

Gerade bei Regen lohnt sich deshalb funktionale Ausrüstung. Eine wasserdichte Jacke, geeignete Schuhe und je nach Temperatur eine Regenhose machen einen enormen Unterschied. Denn wenn Du selbst nach wenigen Minuten durchnässt bist, steigt die Motivation für eine entspannte Schnüffelrunde vermutlich ebenfalls nicht gerade ins Unermessliche. Aber auch für Hunde gibt es eine Lösung: Viele Hunde, die grundsätzlich Regen eher meiden, fühlen sich in einem Hunderegenmantel wohler.

Floxik Futterbeutel

24,97 

Futterbeutel für Leckerli inkl. Kotbeutel, Clicker und Reisenapf

Artikelnummer: FLXFUTTLB01 Kategorie:
Weiterlesen

Auch die Leine sollte bei nassem Wetter praktisch sein. Materialien, die sich leicht reinigen lassen und nicht sofort große Mengen Wasser aufnehmen, sind bei Matsch und Regen besonders angenehm. Eine längere Leine oder Schleppleine kann Deinem Hund außerdem ermöglichen, in geeigneter Umgebung in seinem eigenen Tempo zu erkunden und zu schnüffeln.

Nach dem Spaziergang dürfen Pfoten, Bauch und Fell kurz kontrolliert und gegebenenfalls abgetrocknet werden. Und dann beginnt vermutlich der Teil des Spaziergangs, bei dem sich Mensch und Hund ausnahmsweise völlig einig sind: zurück ins Warme. Ein toller Tipp ist übrigens, einen Hundebademantel zur Verfügung zu haben. Vor allem dann, wenn Dein Hund aufgrund von fehlender Unterwolle schneller auskühlt. Diesen kannst Du im Auto platzieren und ggf. auch Zuhause. Er zieht die Feuchtigkeit aus dem Fell Deines Hundes und spendet ihm zudem auch etwas Wärme.

Beschäftigung für Hunde bei schlechtem Wetter

Fällt eine große Gassirunde wegen extremen Wetters aus, kannst Du einen Teil der Beschäftigung problemlos nach drinnen verlagern.

Dabei braucht es kein Wohnzimmer-Agility und Du musst auch nicht jeden Regentag zum pädagogischen Großprojekt erklären. Eine kleine Futtersuche kann bereits reichen. Verstecke beispielsweise einige Leckerchen in der Wohnung und lass Deinen Hund danach suchen – oder Du nutzt die Regenzeit selbst und bastelst ihm einen Schnüffelteppich. Auch bekannte Tricks können aufgefrischt oder neue Signale in kurzen Einheiten aufgebaut werden.

Besonders Nasenarbeit eignet sich hervorragend. Sie fordert Konzentration und lässt sich auf kleinem Raum durchführen.

Dabei gilt allerdings auch hier: Mehr ist nicht automatisch besser. Dein Hund darf sich langweilen. Er darf schlafen. Und er muss nicht beschäftigt werden, nur weil Ihr heute dreißig Minuten weniger draußen wart als gestern.

Du findest übrigens viele Inspirationen für tolle Beschäftigungen hier auf unserem Blog.

Hund im Regen: Wann steckt mehr hinter der plötzlichen Unlust?

Wenn Dein Hund Regen schon immer doof fand, ist das zunächst einmal eine individuelle Vorliebe. Wird aus einem begeisterten Spaziergänger allerdings plötzlich ein Hund, der nicht mehr laufen möchte, solltest Du genauer hinschauen.

Vor allem wenn die Unlust nicht ausschließlich bei Regen auftritt, können Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme dahinterstecken. Auch wenn Dein Hund langsamer läuft, häufiger stehen bleibt, Schwierigkeiten beim Aufstehen zeigt oder bestimmte Bewegungen vermeidet, sollte dies tierärztlich abgeklärt werden.

Hund im Regen
Mira stört Regen nicht so sehr. Nass und dreckig und sie ist glücklich. Aber nicht jeder Hund empfindet das gleiche und zugegeben: Im Alter merke ich, dass auch Mira dem Regen nicht mehr ganz so offen gegenüber steht.

Bei älteren Hunden können nasskalte Tage zudem bestehende Beschwerden deutlicher werden lassen. Dann ist es besonders sinnvoll, Länge und Tempo der Spaziergänge individuell anzupassen.

Fazit: Auch ein kurzer Regenspaziergang ist ein Spaziergang

Dein Hund muss nicht jeden Tag dieselbe Strecke laufen und schon gar keine vorgeschriebene Anzahl an Minuten absolvieren. Bewegung ist wichtig, aber genauso wichtig sind Schnüffeln, Erkunden, mentale Beschäftigung, soziale Erfahrungen und ausreichend Ruhe.

Wenn Dein Hund Regen hasst, darfst Du darauf Rücksicht nehmen. Vielleicht besteht der heutige Spaziergang nur aus einer kleinen Schnüffelrunde zwischen zwei Schauern. Vielleicht gehört Dein Hund aber auch zur Fraktion „Endlich Pfützen!“ und kommt mit einer Schlammschicht nach Hause, unter der seine ursprüngliche Fellfarbe nur noch zu erahnen ist.

Beides ist völlig in Ordnung.

Denn am Ende geht es nicht darum, jeden Tag möglichst viele Kilometer auf das Gassikonto einzuzahlen. Es geht darum, Bewegung und Beschäftigung so zu gestalten, dass sie zu Deinem Hund, seinem Alter, seiner Gesundheit und seinen individuellen Bedürfnissen passen.

Und wenn draußen gerade Weltuntergangswetter herrscht? Dann darf die Runde eben einmal kürzer sein.

Morgen ist schließlich auch noch ein Spaziergang. 🌧️🐾

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert