Assistenzhund bei der Arbeit – die vierbeinige Unterstützung

Assistenzhund Nemo

Spätestens durch unseren lieben Kooperationspartner Assistenzhund Nemo sind wir darauf aufmerksam geworden, wie wichtig und hilfreich die Arbeit von Assistenzhunden ist. Diese Hunde lernen, Menschen (egal, ob nun Erwachsene oder Kinder) in ihrem Alltag zu unterstützen. Hierdurch wird es dem jeweiligen Menschen ermöglicht, seinen Alltag möglichst alleine zu meistern. Wir möchten Dir in diesem Beitrag gerne vermitteln, wie wichtig diese Arbeit ist und freuen uns ganz besonders, dass uns dabei Nele, Timo und Nemo unterstützen und direkt aus dem Alltag und der Ausbildung berichten können.

Was ist ein Assistenzhund überhaupt und welche Aufgaben hat er?

Der Assistenzhund wird in der Fachsprache auch Rehabilitationshund genannt. An diesem Wort können wir Dir grundsätzlich schon mal erklären, warum Hunde als vierbeinige Assistenten eingesetzt werden. Das Wort rehabilitatio stammt aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt Wiederherstellung. Im medizinischen Bereich ist damit die Beseitung oder Milderung bestimmter körperlicher, sozialer und psychischer Krankheiten bzw. Folgen gemeint. Vielleicht kennst Du den Begriff Rehabilitation auch von Kuren (Reha-Aufenthalten).

Ein Assistenzhund hilft seinem Menschen dabei, sich besser im Alltag zurecht zu finden und schlägt Brücken in Sachen Mobilität, Psyche und mehr. Er ist vor allem für Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen eine große Hilfe und so ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Hunde in diesem Bereich ausgebildet werden.

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Welche Aufgaben hat ein Assistenzhund?

Eine pauschale Antwort können wir Dir hierauf nicht geben. Denn die Aufgaben sind von dem Menschen oder den Menschen abhängig, die er unterstützt. Die Gründe für einen Assistenzhund können unterschiedlich sein. So kann er Menschen helfen, die in der Mobilität eingeschränkt sind, zum Beispiel durch Krankheit oder Unfall. Aber auch bei anderen Erkrankungen -egal ob psychisch und / oder physisch – kann ein Hund viele Aufgaben übernehmen, um “seinen” Menschen eine echte Hilfe zu sein.

Gerne möchten wir Dir dennoch einige Aufgaben nennen, damit Du eine ungefähre Vorstellung davon hast, was ein solcher Hund leistet:

  • Türen öffnen und schließen
  • Telefon bringen
  • Alarm schlagen in Notsituationen (zum Beispiel durch Bellen)
  • einen Notknopf drücken (SOS-Schalter)
  • Gegenstände vom Boden aufnehmen und reichen
  • Helfer im Haushalt
  • Licht anschalten oder ausschalten
  • Behinderungen im Straßenverkehr anzeigen (zum Beispiel einen Bordstein oder ähnliches)
  • aus bestimmten Situationen herausführen
  • frühes Anzeigen von psychischen oder physischen Veränderungen / Anfällen des Menschen – zum Beispiel einen epileptischen Anfall

Das ist nur eine wirklich kleine Aufzählung der möglichen Aufgaben eines Assistenzhundes. Wie Du sicher weißt, ist bekannt, dass Hunde (bzw. allgemein Tiere) sich generell positiv auf die Gesundheit auswirken. Und das nur durch ihre Anwesenheit und gegebenenfalls Körperkontakt. Sie können den Blutdruck senken und geben Sicherheit. So können sie nur durch das Dasein die Häufigkeit von Panikattacken mindern.

Daher gibt es auch “Untergruppen” bei Assistenzhunden. Häufig übernehmen diese mehrere Bereiche, aber nur um mal ein paar zu nennen: Blindenführhunde, Assistenzhunde für Menschen mit psychatrischen und psychischen Erkrankungen, Epilepsiewarnhunde, Allergieanzeigehunde, PTBS-Assistenzhunde und viele mehr.

Assistenzhund: Blindenführhund
Die wohl bekannteste Variante vom Assistenzhund ist wohl der Blindenführhund. Hier hilft er seinem Besitzer sicher über die Straße.

Wie sieht eine Assistenzhundeausbildung aus?

Vielleicht kannst Du Dir vorstellen, dass eine Ausbildung eines Assistenzhundes gar nicht so einfach ist. Denn es gibt viele Faktoren, die im Zusammenspiel einfach passen müssen. So ist nicht jede Hunderasse und innerhalb der Hunderasse wiederum nicht jeder Hund für diese Ausbildung geeignet. Hunde sollten bestimmte Charakterzüge mitbringen. Oft ist der sogenannte Will to please von Vorteil. Auch ist die Assistenzhundeausbildung sehr individuell, denn der Hund wird in den meisten Fällen speziell für die Begleitung eines Menschens ausgebildet. Daher wird im Vorfeld die Frage gestellt: Was muss der jeweilige Hund alles können?

Welche Hunde eignen sich für diese Ausbildung?

Grundsätzlich kann Dich natürlich jeder Hund im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. Dennoch müssen die meisten Assistenzhunde auch körperliche Leistung erbringen, weswegen eher zu größeren Hunderassen “gegriffen” wird. Häufig wirst Du Labradore, Golden Retriever, Australian Shepherds oder Border Collies sehen.

Das heißt nicht automatisch, dass eine kleine Hunderasse nicht auch ein Assistenzhund werden kann. Das ist abhängig von seinen Aufgaben. Aber wenn Du Dir nun vorstellst, dass Dein Assistenzhund das Licht zum Beispiel anschalten soll und der Lichtknopf in einer normalen Höhe hängt, wird ein Dackel das kaum schaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Wahl des Rehabilitationshundes ist der Charakter. Denn natürlich müssen sie Freude daran haben, neue Sachen zu lernen, sollten gerne mit ihrem Menschen zusammenarbeiten wollen und seelisch und körperlichen Belastungen standhalten können. Und selbstverständlich: Dein Hund sollte gesund für die Ausbildung sein!

Was kostet eine Ausbildung zum Assistenzhund?

Wenn ein kompetenter und erfahrener Trainer die Ausbildung übernimmt, ist es nicht selten, dass ein fünfstelliger Betrag zusammenkommt. Du kannst mit 10.000 bis 30.000 Euro rechnen. Denn diese Ausbildung ist nicht eben in zwei Wochen abgeschlossen. Oft dauert die Ausbildungszeit bis zu zwei Jahren und der Hund lebt während dieser Ausbildungszeit bei dem Assistenzhundetrainer.

Wie läuft die Assistenzhundeausbildung ab?

Die Ausbildung zum Assistenzhund läuft nicht nach einem festen Schema ab und es gibt auch keine genauen Richtlinien. So gibt es die Möglichkeit, dass Dein Hund komplett fremd ausgebildet wird und bis zu dem Einsatz bei Dir beim Trainer bleibt. Auch kannst Du Deinen Assistenhund selbst ausbilden.  Aber auch die Kombination aus Selbstausbildung und Fremdausbildung ist möglich.

Wenn Du Deinen Assistenhund selbst ausbilden möchtest, sollte es selbstverständlich sein, dass Du Dir dafür professionelle Unterstützung suchst. Hierdurch erfährst Du, wie Du bestimmte Aufgaben mit Deinem Hund trainierst und eignest Dir zudem auch theoretisches Wissen an. Gerade wenn mal etwas nicht so klappt wie gewünscht, kann Dir Dein Trainer Tipps und Ratschläge geben und erarbeitet mit Dir gemeinsam das “Problem”.

Grundsätzlich muss Dein Hund als Assistenzhund aber nicht nur lernen, seine Aufgaben für Dich zu meistern, sondern auch, souverän durch den Alltag zu gehen. Denn dadurch, dass Du ihn überall mit hinnehmen kannst, wird von ihm ein besonderes Benehmen gefordert.

Auch ein Assistenzhund hat tierische Bedürfnisse

Natürlich ist der Job des Assistenzhundes irgendwie ein Fulltime-Job. Aber Dein Hund bleibt ein Hund und dementsprechend hat auch er Bedürfnisse. So sollte er natürlich auch mal faulenzen dürfen. Je nach Interesse sollte er spielen dürfen oder auch mal einfach nur schnüffeln. Zudem ist auch ausreichend Schlaf wichtig, damit er sich auf seine Aufgaben konzentrieren kann.

Was ist der Unterschied zwischen einem Therapiehund und einem Assistenzhund?

Vielleicht hast Du ja auch schon mal etwas über Therapiehunde gehört und fragst Dich nun, was eigentlich der Unterschied ist?

Vorab der Hinweis: Eigentlich heißt es gar nicht Therapiehund, sondern Therapiebegleithund. Denn diese Hunde begleiten natürlich “nur” die Therapie und unterstützen. Der Einfachheit halber haben wir im Text aber das Wort Therapiehund verwendet, da die meisten Menschen ihn wohl eher unter der Bezeichnung suchen würden.

Grundsätzlich kannst Du Dir merken, dass Assistenzhunde auch Therapiehunde sind. Reine Therapiehunde sind aber eben keine Assistenzhunde. Und diese Feinheit ist wirklich wichtig! Denn ein Assistenzhund hat mehr Rechte in der Öffentlichkeit. So darfst Du ihn zum Beispiel an viele Orte mitnehmen, an denen sonst keine Hunde erlaubt sind. Ein reiner Therapiehund hat keine speziellen Zugangsrechte (ausgenommen im Einzelfall von Krankenhäusern, Seniorenhäuser etc.).

Assistenzhund vs. Therapiehund
Ein Therapiehund wird ausgebildet, vielen Menschen zu helfen. Zum Beispiel durch einen Besuch im Krankenhaus. Therapiehunde haben im Gesetz keine Sonderstellung – helfen aber dennoch tausenden von Menschen.

Das liegt vor allem daran, dass Assistenzhunde speziell für einen Menschen ausgebildet werden. Therapiehunde werden eher für verschiedene Menschen eingesetzt, zum Beispiel in der Ergotherapie, in der Psychotherapie, in Kindergärten und so weiter. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Du kannst Dir folgenden Grundsatz merken: Erfüllt ein Hund mindestens drei Aufgaben für seinen Menschen, handelt es sich um einen Assistenzhund.

Welche Sonderrechte haben Assistenzhunde?

Wie eben schon erklärt, hat ein Assistenzhund Sonderrechte. Und das ist sogar rechtlich verankert. Am 28. Mai 2021 (also noch relativ frisch) wurden diese Sonderrechte in das BGG aufgenommen. Assistenzhunde dürfen nun auch dort mit hingenommen werden, wo andere Hunde nicht mit hindürfen.

An dieser Stelle müssen wir leider sagen, dass das noch nicht ganz zuverlässig klappt. Erst vor kurzem schrieb mir eine Freundin mit Assistenzhund, dass sie im Supermarkt “rausgeschmissen” werden sollte und erst nach einige Diskussionen die Anwesenheit ihres Assistenzhundes akzeptiert wurde.

Assistenzhunde müssen anerkannt werden

Damit Dein Hund aber diese Sonderrechte erhält, muss er offiziell anerkannt werden. Erst durch eine offizielle Anerkennung darf Dein Hund Dich an alle öffentlichen Orte, Gebäude und Dienstleistungen begleiten. Zudem gibt es zum Teil auch die Befreiung einer Maulkorbpflicht oder Leinenpflicht, sofern diese vorgeschrieben ist. Hierzu müsst Ihr eine sogenannte Assistenzhund-Team-Prüfung ablegen. Sie soll sicherstellen, dass Du mit Deinem Hund Situationen sicher meistern kannst und Dein Hund ein angemessenes Verhalten zeigt.

Solltest Du mit Deinem Hund in den Urlaub ins Ausland fahren, solltest Du Dich vorher erkundigen, wie das Mitführen von Assistenzhunden dort geregelt ist.

Assistenzhund Nemo und seine Menschen Timo und Nele

Wie versprochen, wollen wir aber nun einen Assistenzhund in Ausbildung zu Wort kommen lassen. Oder besser gesagt: Seine Menschen :-) Wir folgen ihnen schon einige Zeit auf Instagram und freuen uns sehr, dass wir schon auf gemeinsame Kooperationen zurück schauen können. Viel Spaß mit dem Bericht aus dem “echten Leben” eines Assistenzhundes. Nemo hatte mit seinen Menschen sogar schon Fernsehauftritte. Ihr findet sie übrigens auf instagram unter dem Namen: @assistenzhund_nemo

Wenn Ihr Timo, Nele und Nemo bei ihrem Weg unterstützen wollt, könnt Ihr Euch an der GoFundMe Kampagne unterstützen.

Nele schrieb uns


Hallo, ich bin Nele Kaufhold, die Freundin von Timo Stiehl und zusammen bilden wir seit einem Jahr den Australian Shepherd Nemo als Timos Assistenzhund aus.

Im Jahr 2016 hatte Timo einen schweren Verkehrsunfall mit der Diagnose Schädelhirntrauma dritten Grades, wir beide waren erst ein paar Monate ein Paar. Mit der Kopfverletzung kamen die körperlichen Einschränkungen. Nachdem Timo nach ca. zwei Wochen aus dem künstlichen Koma erwacht ist, war nichts mehr wie vorher! Alles musste er neu erlernen. Es fing an bei der Atmung, übers Schlucken, das Reden, das Laufen, die linken Körperhälfte zu bewegen, das Essen, das Trinken und einiges mehr.

Nele, Timo und Nemo
Nele, Timo und Nele sind ein echtes Team. Sie arbeiten wirklich viel für ihren Traum.

Ein Jahr nach dem Unfall hatte Timo dann seinen ersten epileptischen Anfall. Durch Medikamente wurden die Anfälle zwar deutlich weniger, aber weg sind sie nicht. Deshalb bilden wir Nemo jetzt als Timos Epilepsiewarnhund aus. 

Durch Nemos starken Geruchssinn kann er jegliche Veränderungen von Timos Körper wahrnehmen. Er lernt diese Anfälle im Vorhinein anzuzeigen, den Notfallknopf zu betätigen und das Notfallmedikament zu bringen. Auf unserem Account haben wir dazu einige Beiträge und Videos hochgeladen! Schaut doch gerne vorbei.

Die Idee einen Assistenzhund auszubilden hatten wir bereits im November 2020, allerdings hatten wir zu dem Zeitpunkt noch keine eigene Wohnung. Im Februar erlitt Timo dann in unserer hundefreundlichen und barrierefreien Wohnung nach langer Zeit wieder einen epileptischen Anfall, der im Krankenhaus endete. Uns wurde unmittelbar klar, dass es an der Zeit war, den Plan in die Tat umzusetzen. Schon im April hat Timo dann nach langer Suche und Überlegung eine ausführliche E-Mail an eine Hundeschule in der Nähe geschrieben und Ende Mai hatten wir dann das Erstgespräch. Dieses hat in nur kurzer Zeit eine unglaubliche Wendung genommen und nur wenige Stunden nach dem Gespräch sahen wir schon das erste Foto von dem kleinen Australian Shepherd Welpen Nemo (alias Prof. Crumm)

Warum wurde es Nemo?

Der Australian Shepherd passte nach gründlicher Recherche perfekt zu uns. Sein will-to-please und dass die Rasse eine Aufgabe braucht, aber auch dass sie sich stark auf eine einzelne Person konzentrieren können, war für uns ausschlaggebend. Vom Telefonat, bis zur Abholung hat es nur 16 aufregende, nervenzerreißende und mit Vorfreude gefüllte Tage gedauert. Doch als wir dann die vierstündige Fahrt hinter uns gebracht hatten, wussten wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Das strahlen in Timos Augen war unbezahlbar und auch meine Eltern, die uns begleiteten, waren ganz verzückt von dem Kleinen.

Assistenzhund Nemo bei der Arbeit
Nemo unterstützt Timo in vielen Bereichen im Alltag.

Fazit: Assistenzhunde sind wahre Helden

Wie Du siehst, sind Assistenzhunde wirkliche Helden auf vier Pfoten. Natürlich sind das im Prinzip alle Hunde. Aber ein Assistenzhund sorgt dafür, dass sein Mensch deutlich freier ist. Er hilft dabei, den Alltag zu vereinfachen und ist zudem auch psychisch eine große Hilfe. Deswegen ist es so wichtig, dass die Akzeptanz für einen solchen Weg höher wird. Leider ist die Bezahlung einer solchen Ausbildung unfassbar teuer. Zudem wird die Ausbildung auch nicht von allen Krankenkassen übernommen und der Weg ist häufig weit und führt über viel Bürokratie.

Wir hoffen, dass sich das in Zukunft ändert. Denn wie viel unsere Hunde für uns tun können, sollte uns allen inzwischen bewusst sein.

Berichte uns doch gerne: Hast Du schon mal Erfahrungen mit einem Assistenzhund oder einem Therapiebegleithund machen können? Wie sind Deine Erfahrungen? Wir freuen uns über Dein Feedback.

 

Bildnachweise: Depositphotos.com 155107628 & 50475405 sowie von @assistenzhund_nemo

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