Leinenaggression beim Hund – 5 Auslöser & Trainingsansätze

Leinenaggression

Leinenaggression ist wohl eine der häufigsten “Baustellen” für uns Hundehalter und Hunde. Die Motivation hinter diesem Verhalten Deines Hundes können ganz unterschiedlich sein. Meistens vermischen sich auch mehrere Gründe. In diesem Beitrag möchten wir auf die Auslöser für Leinenrambos eingehen und Dir zudem Trainingsansätze zeigen, wie Du zukünftig Hundebegegnungen entspannt meistern kannst.

Was versteht man unter Leinenaggression?

Kennst Du das? Dein Hund springt in die Leine und bellt? Vielleicht knurrt er auch und zeigt Zähne? Vielleicht hast Du das auch schon mal bei anderen Hunden gesehen? In diesem Fall spricht man von Leinenaggression. Der Hund ist also angeleint und wird von einem Menschen geführt und zeigt Aggressionen. Viele nennen ihre Hunde dann auch “Leinenrambo”.

Anders sieht es bei vielen Hunden dann im Freilauf aus. Häufig sind diese Hunde dann verträglicher (natürlich nicht ausnahmslos).

Wir Menschen haben häufig ein größeres Problem mit der Situation als der Hund. Denn Menschen wollen zwar gerne auffallen – jedoch ausschließlich positiv. Zeigt der Hund eine Leinenaggression, denken wir sofort, dass uns andere Menschen als unfähig abstempeln, wir unseren Hund nicht im Griff haben, schlecht erzogen haben oder der Hund grundsätzlich aggressiv ist.

Zudem kommen immer wieder tolle Ratschläge von anderen Hundehaltern oder eben Nicht-Hundehaltern, die diese Situation beobachten. Mir ist es selbst schon passiert, denn auch meine Hündin hat(te) eine starke Leinenaggression. Du glaubst nicht, was ich für hirnrissige Tipps und Sprüche zuhören bekommen habe.

Fakt ist: Leinenaggression ist nicht selten und Du bist mit diesem Thema nicht alleine. Deswegen musst Du Dich dafür auch nicht schämen!

Warum ist mein Hund ein Leinenrambo?

Die Motivationen hinter einer Leinenaggression variieren. Nicht selten mischen sich hierbei auch mehrere Auslöser. Um eine fundierte Bewertung für Deinen Hund zu bekommen, solltest Du Dir Hilfe von einem kompetenten Hundetrainer oder Hundeverhaltenstherapeuten suchen. Dennoch möchten wir Dir hier die häufigsten Auslöser für Leinenaggressivität nennen.

Bei Welpen zeigt sich das Verhalten nur äußerst selten und nimmt beim Älterwerden erst Formen an. Die Hintergründe sind verschieden. Eine große Rolle spielt aber meistens Frust oder eine falsche Verknüpfung in jeglicher Art.

In den wenigsten Fällen ist Dein Hund wirklich aggressiv oder hat ernsthafte Beschädigungsabsichten. Dennoch solltest Du das Verhalten ernst nehmen und daran arbeiten. Denn die häufige Deutung “der will nur spielen” ist schlichtweg meistens falsch.

Aus Frust wird Aggression

Der süße kleine Welpe wird gerne immer zu anderen Hunden gelassen. Wird er größer, möchtest Du plötzlich nicht mehr zu anderen Hunden hingeschliffen werden. Dein Hund wird nicht verstehen, warum er gestern noch zu anderen Hunden hindurfte und heute nicht mehr. Dadurch entsteht Frust bei Deinem Vierbeiner. Und vielleicht kennst Du es auch von Dir: Wenn Du gefrustet bist, kippt die Stimmung auch leichter. Das Verhalten kann sich dann ritualisieren.

Leinenaggression entsteht häufig durch Frust
Der süße kleine Welpe, der zu jedem Hund in darf.. und dann plötzlich von einen Tag auf den anderen nicht mehr. Die Folge ist Frust und Frust schlägt schnell in Aggression um.

Zudem wird das zum anderen Hund hinziehen durch Korrekturen unterbunden. Ein scharfes “Nein”, reißen an der Leine, zurückziehen und anderen Mitteln. Dein Hund verbindet dementsprechend die Begegnung mit dem anderen Hund negativ. Man nennt das eine Fehlverknüpfung.

(Schlechte) Erfahrungen an der Leine

Hat Dein Hund bereits schlechte Erfahrungen an der Leine gemacht, kann auch das ein Auslöser für Leinenaggression sein. Diese Erfahrungen können für Dich offensichtlich sein. Ein “Tutnix” kommt zu Euch gelaufen, Du kannst ihn nicht abwehren und es entsteht ein Tumult oder sogar eine leichte, mittelschwere oder gar schwere Schlägerei bzw. Beißerei. Wurde Dein Hund verletzt, kann er das natürlich mit der Hundebegegnung verknüpfen.

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Manche Erfahren sind aber wiederum für Dich gar nicht sichtlich. Ich gebe Dir mal ein Beispiel: Dein Hund sieht einen Hund und stolpert genau in diesem Moment und tut sich weh. So eine Situation kann – wenn sie richtig blöd läuft, zu einer schlechten Verknüpfung führen.

Die Kommunikation Deines Hundes wird missverstanden

Unsere Hunde kommunizieren extrem fein. Mit etwas Übung können wir zwar größtenteils die Hundesprache lernen, allerdings gibt es viele Bewegungen und Mimiken, die so fein sind, dass sie höchstens ein erfahrener Hundetrainer bemerkt. Ignorierst Du diese Anzeichen und gehst einfach weiter, kann das in Deinem Hund Frust und Unverständnis auslösen.

Für Hunde ist eine frontale Begegnung nämlich eher unfreundlich. Sie nähern sich normalerweise in einem Bogen. Manchmal zeigen sie dem Gegenüber schon von der Entfernung, dass sie keinen Kontakt möchten. Durch unsere Ignoranz wird Dein Hund dann in eine Situation gebracht, die er nicht möchte und weiß dann keine andere Lösung als Leinenaggression, um schnell aus der Situation wieder raus zu kommen.

Und genau das machen wir dann auch: Wir versuchen, schnell aus der Situation zu entkommen. Dein Hund wird also bestätigt, dass dieses Verhalten funktioniert.

Leinenaggression kann auch durch Schmerzen entstehen

Leinenaggression oder generell Aggression beim Hund kann auch durch Schmerzen entstehen. Du solltest mich mal erleben, wie ich drauf bin, wenn ich Zahnschmerzen habe. Bei unseren Hunden ist es nicht anders. Lasse Deinen Hund also regelmäßig vom Tierarzt und einem Hundephysiotherapeuten checken. Vor allem dann, wenn dieses Verhalten extrem plötzlich auftritt.

Dein Hund ist unterfordert oder überfordert

Auch aus Unterforderung bzw. Langerweile und Überforderung kann eine Leinenaggression entstehen. Dein Hund sucht sich ein Ventil, um darüber entweder seinen Frust über die Langeweile oder aber seine Anspannung durch die Überforderung abzulassen.

Leinenaggression: Häufiger Auslöser sind Angst und Unsicherheit

Viele Hunde zeigen eine Leinenaggression aus dem Grundsatz: Angriff ist die beste Verteidigung. Sie sind eigentlich unsicher und / oder haben Angst und versuchen durch das Pöbeln an der Leine möglichst schnell aus der Situation raus zu kommen oder sich den anderen Hund vom Leib zu halten.

Leider wird dieses Verhalten dann auch noch häufig als Macho-Gehabe abgestempelt. Eine fatale Fehleinschätzung.

Leinenaggression ist sozial motiviert

Natürlich gibt es auch die Hunde, die ihren Besitzer beschützen möchten. Sie zeigen eine sozial motivierte Aggression. Wir wollen es nicht verallgemeinern und einen Hund oder eine Hunderasse in eine Schublade stecken. Aber sozial motvierte Aggression kannst Du sehr häufig unter anderem bei Hütehunden sehen.

Interessant zu wissen: Gelber Hund braucht Freiraum

Vielleicht kennst Du die Aktion “gelber Hund” oder im Englischen “Yellowdog”? Hierbei wird durch ein gelbes Band signalisiert, dass Ihr etwas mehr Abstand braucht. Das geht über ein Band am Hundehalsband oder Hundegeschirr oder aber auch einem gelben Halstuch / Bandana.

Dieses Kennzeichen soll Dir und Deinem Hund das Leben etwas leichter machen und Euch Freiraum zum Ausweichen und Trainieren geben. Verurteile bitte genauso wenig einen anderen “gelben” Hund und Hundehalter sondern gib ihm mehr Platz. Die ursprüngliche Idee dazu stammt übrigens aus Schweden.

Gerne verlinken wir Dir weitere Informationen: Gulahund Yellowdog Programm.

Leinenaggression – Trainingsansätze für entspannte Hundebegegnungen an der Leine

Vorab möchten wir an dieser Stelle noch mal auf die beste Lösung zum Trainieren hinweisen: Suche Dir einen kompetenten Hundetrainer. Er kann die Situation gemeinsam mit Dir analysieren und einen individuellen Trainingsplan mit Dir aufstellen. Außerdem hat ein Trainer auch häufig mehr Möglichkeiten, Dir gestellte Trainingssituationen zu bieten. So kannst Du erstmal unter Gleichgesinnten üben.

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Übrigens wird immer noch häufig gelehrt, dass sich Deine Stimmung auf Deinen Hund überträgt. Das mag in manchen Fällen so sein, aber ist nicht immer die Lösung des Problems. Hat sich das Verhalten Deines Hundes erstmal ritualisiert, kannst Du noch so entspannt sein: Dein Hund wird das Verhalten trotzdem zeigen. Nicht immer liegt das Problem also an Dir. Ich hoffe, das macht Dir Mut. Denn es kann sehr frustrierend sein, wenn Dir andauernd gesagt wird, dass Du alles falsch machst.

Tipps für das Training mit Leinenrambos

Aber auch wenn wir der Meinung sind, dass Du unbedingt einen Trainer zu Rate ziehen solltest, damit sich Euer Problem nicht durch falsche Trainingsansätze verschlimmert, möchten wir Dir ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die Dir helfen können, Euren Alltag besser zu meistern.

Arbeite an der Leinenführigkeit

Du solltest ein großes Augenmerk auf eine gute Leinenführigkeit legen. Dein Hund sollte entspannt an der Leine laufen können. Das ist die Basis für entspannte Hundebegegnungen. Übe anfangs unbedingt ohne Reize, zum Beispiel im Garten.

Wie Du eine richtige Leinenführigkeit aufbaust, erfährst Du in unserem Beitrag Hund zieht an der Leine.

Baue ein Alternativverhalten zur Leinenaggression auf

Wenn Du ein gewisses Verhalten wie die Leinenaggression in den Griff kriegen möchtest, sollte Dir bewusst sein, dass reines Verbieten nicht funktioniert. Biete Deinem Hund eine Alternative zu diesem Verhalten an. Das kann zum Beispiel das Tragen eines Spielzeugs oder Dummys sein. Oder aber auch ein Blick zu Dir. Für manche Hunde reicht auch eine gezielte Fußarbeit.

Achte auf eine ausreichende Distanz

Wenn Du mit dem Training beginnst, solltest Du unbedingt auf eine ausreichende Distanz achten. Wird es zu eng, drehe wieder um oder gehe einen anderen Weg. Die Distanz muss so groß gewählt sein, dass Dein Hund zwar den anderen Hund wahrnimmt, aber noch nicht auf ihn reagiert. Dein Hund sollte immer noch das Alternativverhalten zeigen, was Du dann belohnen kannst.

Leinenaggression: Alternativverhalten aufbauen
Du kannst Deinem Hund ein Alternativverhalten aufbauen. Viele Hunde tragen gerne Sachen. Das kann ein Spielzeug oder ein Futterdummy sein. Allerdings musst Du das selbstverständlich vorher üben.

Übrigens ist es auch nicht hilfreich, Deinen Hund komplett abzulenken. Er soll den anderen Hund wahrnehmen. Nur so kannst Du einen positiven Effekt erzielen.

Sorge dafür, dass Dein Hund nicht mehr an der Leine pöbeln kann

Das ist der schwierigste Teil des Trainings. Denn Du solltest möglichst dafür sorgen, dass Dein Hund kein “Erfolgserlebnis” mehr durch seine Leinenaggression erhält. Wie beim Punkt Distanz bereits beschrieben, solltest Du schwierigen Begegnungen aus dem Weg gehen. Das kann ein zu enger Weg sein oder die Erzfeinde aus dem Dorf.

Es ist nicht schlimm, wenn Du einfach umdrehst und einen anderen Weg gehst. Suche Dir ruhigere Wege, die möglichst breit sind und gut einzusehen.

Suche Dir Trainingspartner

Hilfreich ist es, wenn Du Trainingspartner hast. Viele Hunde reagieren nur auf fremde Hunde mit einer Leinenaggression. Somit macht es keinen Sinn, den besten Freund Deines Hundes zum Training zu nehmen. Einige Hundeschulen bieten sogenannte Social Walks an und haben generell mehr Möglichkeiten, Dir diese Situationen zu stellen.

Allerdings sollten diese nicht nur auf dem Hundeplatz trainiert werden. Denn dort zeigen sich die meisten Vierbeiner von einer anderen Seite. Ihr solltet in Eurem normalen Umfeld möglichst trainieren.

Leinenaggression vorbeugen

Es gibt einige Punkte, die Du direkt von Anfang an bei Deinem Welpen beachten kannst. Zwar bietet Dir das keine Garantie, dass Dein Hund später nicht doch zum Leinenrambo wird. Aber Du kannst trotzdem die Weichen bereits besser legen:

  • Übe von Anfang an eine gute Leinenführigkeit
  • Arbeite an der Frustrationstoleranz und Impulskontrolle Deines Hundes
  • Achte auf die Körpersprache Deines Hundes und biete ihm Schutz
  • Sei konsequent im Training und zeige Deinem Hund hierdurch Deine Führungsqualitäten
  • Sorge bei Deinem Welpen für ausreichend Ruhezeiten, aber auch für eine altersentsprechende Beschäftigung
  • Übe von Anfang an, dass Dein Hund nicht immer zu jedem Hund hin kann und baue es positiv auf, dass er das “bei Dir bleiben” als was Tolles ansieht (arbeite also nicht über Verbot, sondern über ein Alternativverhalten)
  • Nutze Social Walks, bei denen alle Hunde angeleint spazieren gehen ohne dabei Kontakt an der Leine zu haben
  • Achte darauf, dass Leine, Hundegeschirr und Halsband gut sitzen und zur Größe und Gewicht Deines Hundes passen
  • Sorge für viele gute Momente, die Du belohnen kannst, damit Dein Hund eine gute Verknüpfung mit Leinenbegegnungen aufbaut

Fazit: Du bist nicht allein mit dieser Thematik

Es gibt immer wieder Hundehalter, die es besser wissen und Dir genau sagen können, was Du alles falsch machst und wie Du es besser zu machen hast. Leider kommen dann auch solche dämlichen Tipps wie “Dreh ihn auf den Rücken” oder “Mach den Schnauzengriff”. Lasse Dich davon bitte nicht beeinflussen und gehe Deinen Weg. Suche Dir im Zweifel lieber einen kompetenten Hundetrainer, mit dem Du gemeinsam an diesem Thema arbeiten kannst.

Was ich Dir an dieser Stelle aber sagen kann: Du bist nicht alleine mit diesem “Problem”. Denn das Thema Leinenaggression begleitet viele Hundehalter. Natürlich gibt es auch die Hunde, die damit nie ein Thema hatten oder haben werden. Aber nicht jeder Hund ist gleich, sie haben verschiedene Motivationen, Erfahrungen und genetische Veranlagungen. Mit einem konsequenten und konstanten Training kannst Du es aber schaffen. Bleibe unbedingt dran und gib bei Rückschlägen nicht auf. Es gibt eben bessere und schlechtere Tage. Auch wenn es nur kleine Schritte sind, merke Dir den Spruch: Forward is forward – speed doesn’t matter :-)

 

Bildnachweise: Depositphotos.com Angry dog with bared teeth @ art_man, Cute siberian husky puppy running @ lufimorgan und A black wet dog carries a toy on a walk with its owner @ max_grpo

2 Idee über “Leinenaggression beim Hund – 5 Auslöser & Trainingsansätze

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