Pubertät beim Hund – und plötzlich war das Pubertier da!

Pubertät beim Hund

Was sind die meisten Welpenwochen schön: Der tapsige Gang, der süße Blick, der weiche Babyflaum! Du warst stolz darauf, wie gut Dein kleiner Begleiter schon hört und wie viel Spaß das Training mit ihm macht. Auch in der Hundeschule machte Dein Hund eine gute Figur und Du denkst, nichts könnte diesen Eindruck trüben. Und dann, fast plötzlich über Nacht beginnt sie: Die Pubertät beim Hund. Auf einmal scheinen die einfachsten Kommandos vergessen. Selbst den eigenen Namen scheint Dein Hund vergessen zu haben! Oft heißt es dann, dass nun die Zeit gekommen ist, wo der Hund besonders viel hinterfragt – aber ist das wirklich „nur“ hinterfragen?

Pubertät beim Hund – Das passiert dabei

Ich höre und lese sehr oft, dass ein Hund den Besitzer während der Pubertät nur auf die Probe stellen möchte und deswegen „so tut“, als wüsste er nicht mehr, was der Besitzer von ihm wollen würde. Zwar ändert es nichts daran, dass Du konsequent sein solltest, aber: Bei der Pubertät beim Hund kann es passieren, dass Dein Hund tatsächlich das Kommando vergessen hat! Das liegt daran, dass während dem Erreichen der Geschlechtsreife das Gehirn „umgebaut“ wird.

Zu Beginn wird das Hormon GnRH ausgeschüttet (Gonadotropin Releasing Hormon), welches die Geschlechtshormone aktiviert. Hierdurch wird das Gehirn in einen Zustand versetzt, bei dem es von dem babyhaften Verhalten zu einer erwachseneren und vernünftigeren Denkweise umgebaut wird. In dieser Zeit ist es jedoch so, dass der Mandelkern sich vergrößert. Der Mandelkern, oder auch Amygdala, ist zuständig für emotionale Bewertungen und für die auf eine Wahrnehmung folgende Reaktion. Durch die Vergrößerung reagiert Dein Hund wesentlich stärker auf Reize. In dieser Zeit entstehen häufig Ängste, die auch in Aggressionen umschlagen können. Die meisten Verhaltensstörungen entwickeln sich in dieser Phase. Einige Trainer sagen daher sogar, dass man seinem Hund in einer Pubertät möglichst wenig neue Reize aussetzen sollte.

Während der Pubertät beim Hund wird auch das planvolle Handeln ausgebaut. Allerdings wird in diesem Prozess nur das beibehalten, was auch genutzt wird. Alle anderen Nervenzellen und Verknüpfungen (Synapsen) werden endgültig abgebaut. Dieser Vorgang passiert in der Großhirnrinde.

Pubertät beim Hund – No risk no fun!

Du kennst es vielleicht auch von menschlichen Teenagern: Während der Pubertät sind diese besonders risikofreudig und haben wenig Geduld. Das wirst Du bei einem pubertierenden Junghund genauso merken. Aber warum ist das so? Wie Du bereits erfahren hast, wächst der Mandelkern, der für emotionale Reaktionen zuständig ist. Der Bereich im Hirn, der aber für bewusste Entscheidungen und Vernunft zuständig ist, entwickelt sich erst später. Somit kann Dein Hund in der Pubertät die Folgen seiner Handlungen nicht abschätzen. Und genau das macht es auch so anstrengend für Dich. Er ist emotional total überladen und kann sich einfach nicht unter Kontrolle halten.

Aber wenn Du denkst, das war alles, was bei der Pubertät beim Hund passiert, muss ich Dich enttäuschen. Denn zusätzlich wird während der Pubertät deutlich mehr Cortisol produziert. Dieses Hormon stresst Deinen Hund im wahrsten Sinne des Wortes, denn es ist das sogenannte Stresshormon. So kann es sein, dass etwas, was Deinem Hund während seiner Welpenzeit keine Probleme machte, plötzlich nicht mehr geht. Da werden dann Mülltonnen plötzlich zu gefährlichen Angreifern. Auch bei Berührungen kann Dein Junghund nun deutlich empfindlicher reagieren.

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Hast Du schon mal von Dopamin gehört? Wenn von einem Glückshormon gesprochen wird, dann ist meist Dopamin gemeint. Und wie sollte es auch anders sein: Während der Pubertät erhöht sich auch die Menge von Dopamin im Körper Deines Hundes. Hierdurch wird er zum einen neugieriger, hat aber auch an bestimmten Dingen viel mehr Spaß. Und da dieses Verhalten für ihn wiederum selbstbelohnend ist, ist es schwierig, davon abzulassen.

So kann es sein, dass Dein Hund auf einmal das Jagen für sich entdeckt, wenn er sich vorher nicht mal für Wild interessiert hat. Auch kann es sein, dass er plötzlich mit seinem besten Freund aus der Welpenzeit nicht mehr spielen möchte oder sein Verhalten in anderen Bereichen verändert.

Wann beginnt die Pubertät beim Hund und wie lange dauert sie?

Natürlich verläuft die Pubertät beim Hund von Fellnase zu Fellnase unterschiedlich. So kann der Beginn variieren als auch die Länge. Größere Hunde kommen jedoch häufig früher in die Pubertät und kleinere Hunderassen sind meist eher Spätzünder. Im Durchschnitt beginnt sie zwischen dem siebten und zwölften Lebensmonat.

Bei Hündinnen erkennst Du den Beginn der Pubertät am besten durch die erste Läufigkeit. Bei Rüden ist das dann schon etwas schwieriger und der Übergang ist meist fließend – Du kannst es oft daran erkennen, dass Dein Rüde das erste Mal sein Beinchen beim Pinkeln hebt.

Auch Veränderungen im Verhalten deuten auf den Beginn der Pubertät hin. So zeigen Pubertiere dann zum ersten Mal Sexualinstinkte und das andere Geschlecht wird sehr interessant. Auch Jagdverhalten zeigt sich nun deutlich – und das muss nicht immer Wild sein  – auch der Briefträger kann dann schon ausreichend Reiz genug sein. Wobei wir dann auch direkt zum dritten Indiz kommen: Das Revierverhalten bzw. ein territoriales Verhalten. Es wird häufiger markiert und gewisse Bereiche werden für sich beansprucht.

Tipp:
Es ist natürlich Dir überlassen, ob Dein Hund mit auf das Sofa oder ins Bett darf – solange er es nicht für sich beansprucht. Sobald er dieses tut, solltest Du klare Grenzen ziehen! Das bedeutet, dass Dein Hund generell nicht mehr auf das Sofa oder ins Bett darf – oder nur mit Deiner Erlaubnis.

Wie sollte ich mit einem pubertierenden Junghund umgehen?

Das Gute ganz am Anfang: Denke daran – irgendwann ist diese Phase vorbei! Ein bisschen Humor schadet nie!

Aber natürlich kann uns so ein Pubertier auch ganz schön in den Wahnsinn treiben und fordern. Wie stark die oben genannten Anzeichen während der Pubertät beim Hund ausgeprägt sind, ist natürlich ganz unterschiedlich und hängen ab von Charakter, Typ und Rasse. Natürlich spielt auch die vorher gegangene Entwicklung sowie die physische Verfassung eine Rolle.

Pubertät beim Hund
Wenn der Hund plötzlich alles erlernte vergessen hat und Dich anschaut als würde er nur noch Bahnhof verstehen, dann ist das teilweise wirklich so. Herzlich Willkommen in der Pubertät Deines Hundes :-)

Doch wie verhältst Du Dich nun richtig, wenn Dein Hund scheinbar all sein Benehmen vergessen hat? Wir wollen Dir ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, damit auch ihr diese nervenaufreibende Zeit gut übersteht.

Konsequent bleiben / Grenzen vermitteln

Bitte vergiss an dieser Stelle nicht, dass Dein Hund Dich nicht absichtlich in den Wahnsinn treiben oder Dir etwas Böses will. Er will auch in den seltensten Fällen die „Rudelführung“ übernehmen. Er kann sich nur einfach nicht so gut konzentrieren. Deswegen ist es wichtig, konsequent zu bleiben und gegebenenfalls ihm Dinge „neu“ beizubringen. Gib ihm klare Grenzen, in denen er sich entfalten kann, aber schränke ihn auch nicht zu doll ein. Dieser Prozess ist wichtig für seine weitere Entwicklung.

Kontakt mit souveränen Hunden

Eine große Hilfe in der Pubertät kann ein souveräner, erwachsener Hund sein. Deswegen kannst Du in Deinem Bekanntenkreis einfach mal rum schauen. Vielleicht kennst Du ja auch einen passenden Hund aus der Hundeschule. Mit diesem kannst Du gemeinsam entspannte Spaziergänge machen und Dein Pubertier kann sich ein vorbildliches Verhalten von diesem Hund abschauen.

Auf Angstverhalten richtig reagieren

Während der Pubertät beim Hund festigen sich Ängste besonders schnell. Solltest Du also bemerken, dass Dein Hund mit etwas Probleme hat, solltest Du direkt daran arbeiten. Hierzu kannst den Deinem Hund den Angst auslösenden Reiz am besten erst aus der Ferne zeigen und Dich dann im Training nach und nach heran tasten. Bitte bestätige Deinen Hund positiv. Gibt Deinem Hund Schutz und Sicherheit, wenn dieser Angst hat und zwinge ihn bitte nicht. Sehr hilfreich ist auch oft, wenn Du Deinem Hund zeigst, dass er keine Angst zu haben brauch. Handelt es sich zum Beispiel um einen Gegenstand, dann gehe auf den Gegenstand vor Deinem Hund zu und berühre ihn. Viele Hunde werden dann mutiger. Stelle Dich in Gefahrensituationen vor Deinen Hund und zeige ihm, dass Du in der Lage bist, das Problem zu managen und er Dir vertrauen kann.

Sorge für ausreichend Ruhe

Nicht nur in der Pubertät beim Hund solltest Du für ausreichend Ruhe sorgen. Aber natürlich darfst Du es gerade in dieser Phase nicht schleifen lassen. Dein Hund muss die Möglichkeit haben, Erlebtes zu verarbeiten. Auch der Umbau im Gehirn benötigt einiges an Energie. Deswegen achte bitte auf ausreichend Schlaf und Ruhe. Sehr hilfreich kann hier ein früh eingeführtes Deckentraining sein. Ein ausgeschlafener Hund kann wesentlich besser mit Umweltreizen umgehen als ein Hund, der unausgeruht ist.

Wiederhole Kommandos während der Pubertät beim Hund

Dein Welpe hat sicherlich schon früh die gängigen Kommandos gelernt. Diese solltest Du in der Pubertätsphase wiederholen und zum Teil sogar neu „antrainieren“. Gerade der Rückruf beim Hund ist überlebenswichtig. Hilfreich ist dabei natürlich eine gute Belohnung. Also nutze beim Training die besten Leckerlis!

Pubertät beim Hund
Dein Hund tut nicht nur so als hätte er die Kommandos vergessen und will Dich auch gewiss nicht ärgern! Also wiederhole einfach die Übungseinheiten.
Du solltest in dieser Phase auch von besonders stressigen Situationen wie einem Umzug möglichst absehen!

Beschäftige Deinen Hund

In dieser Phase solltest Du Deinen Hund eine passende Beschäftigung bieten. Diese kann ganz unterschiedlicher Natur sein. Du kannst etwas Abwechslung auf Euren Spaziergängen einbringen. Auch ein paar gemeinsame Spiele oder Tricks machen vielen Hunden Spaß. Dauerhaftes Bälle-Werfen solltest Du in jedem Fall unterlassen. Zum einen ziehst Du Dir damit einen Balljunkie heran und zum anderen ist es nur dann gut, wenn Du das Ballspielen zum Training der Impulskontrolle und der Frustrationstoleranz nutzt. Und an diesen beiden Punkten solltest Du während der Pubertät tatsächlich besonders arbeiten!

Unerwünschtes Verhalten

Da Dein Hund während der Pubertät besonders risikofreudig und neugierig ist und er sich noch dazu mit seinem Verhalten selbst belohnt, solltest Du bei unerwünschtem Verhalten schnell reagieren oder wenn möglich ihm vorbeugen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Du dafür sorgst, dass Dein Hund gar nicht erst Freude am Jagen findet. Lasse ihn also angeleint. Ein Hund, der einmal auf den Geschmack gekommen ist, kannst Du wesentlich schlechter das Jagen abgewöhnen als einem Hund, der es noch nie gemacht hat.

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Auch bei Aggressionsverhalten solltest Du sofort handeln. Du kannst zum Beispiel ein Alternativverhalten aufbauen. Wenn Du selbst unsicher bist, hole Dir in jedem Fall den Rat eines kompetenten Hundetrainers.

Fazit zur Pubertät beim Hund

Wie Du siehst, passiert bei Deinem Hund während der Pubertät eine ganze Menge. Er will Dir nichts böses, er kann einfach nur in vielen Situationen nicht anders und hat tatsächlich vieles vergessen. Es ist sehr hilfreich, dass Du Dir das immer wieder vor Augen führst. Denn wenn Du denkst, Dein Hund hinterfragt Dich persönlich andauernd, wirst Du emotional handeln und das ist häufig der falsche Weg. Bleib ruhig und geduldig. Denke vorausschauend, denn Dein Hund kann das gerade nicht. Biete im Schutz und Sicherheit und manage die Umwelt für ihn. Sorge für ausreichend Ruhephasen und biete ihm geistige Auslastung, die für ihn und seine Entwicklung passt. Und an dieser Stelle sei noch mal gesagt: Pubertät beim Hund geht vorbei :-) Also tief einatmen und ausatmen – wenn Dein Hund irgendwann mal alt ist, wirst Du lächelnd an diese verrückte Zeit zurück denken.

Bildnachweis: Depositphotos.com @ lightsource, @ Madrabothair und @ diego_cervo